Gustave Courbet – Petite Autoportrait au chien noir

1842, Öl auf Leinwand, 27 x 23 cm, Frankreich – Pontarlier, Musée de Pontarlier

Das Lieblingsmotiv des jungen Courbets war eindeutig das eigene Spiegelbild. Ob aus Selbstgefälligkeit oder aus Geldknappheit ein Modell zu bezahlen ist nicht bekannt, jedoch schuf Courbet in der Zeit von 1840 bis 1855 eine Vielzahl von Selbstportraits, für welche er von Künstlerkollegen und den zeitgenössischen tonangebenden Kunstkritikern anfänglich belächelt wurde.

Lebte in Courbet tatsächlich die Seele des Jünglings Narziss wieder auf über welchen Ovid in seinen Metamorphosen so köstlich berichtete? Oder ist das konzentrierte Studium des eigenen Spiegelbildes und die Wiedergabe der eigenen Wahrnehmung die Königsdisziplin an welcher so mancher Künstler scheiterte?

Bereits Rembrandt hielt seine Emotionen und Gefühlszustände, die furchteinflößende Angst, das verzerrte Entsetzen, den atemberaubenden Schrecken oder den schieren Wahnsinn auf seinen Leinwänden fest und fungiert damit als gutes Vorbild für Courbet.

In einem Interview mit der Kölner Portrait-Malerin Simone Bingemer verriet sie mir, dass das Kleine Selbstbildnis mit schwarzem Hund ihr von den vielen Selbstportraits Courbets besonders gut gefällt: „Courbet muss noch sehr jung gewesen sein, als er dieses Selbstbildnis malte. Die entspannte Haltung mit der auf einem Tisch ruhenden Hand und dem auf dem Schoß sitzenden Hund vermittelt mir ein Gefühl der Nähe und Vertrautheit. Ich schätze die Unmittelbarkeit und Schlichtheit der Bildkomposition. Obwohl die Augen durch das von obenher einfallende Licht verschattet sind, blickt er den Betrachter doch eindringlich an. Selbstbewusst, klar, auf Augenhöhe und mit einem leichten Lächeln.“

Weiterhin schwärmt Simone Bingemer von „der überwiegend einheitlichen Farbpalette, welche durch das schimmernde Inkarnat, den blauen Ärmelaufschlag, sowie die vielfältigen Brauntöne der Stuhllehne und des Tisches akzentuiert und belebt wird.“

Besonders die Unmittelbarkeit und die intensive Spannung des Gemäldes erzählen für Simone Bingemer beinah schon eine eigene Geschichte „Die hervorstechende Helligkeit von Gesicht, Kragen und Hand verleihen ebenso Bildspannung und Raumtiefe wie der helle Reflex hinter der linken Schulter. Durch den auf dem Tisch liegenden Arm und der ruhenden Hand – welche ganz nahe an den Betrachter heran reicht – vermittelt sich mir das Gefühl als forderte mich der junge Mann gleich auf, ihm zu folgen…“ Was würde also nach diesem Aufeinandertreffen zwischen Betrachter und Betrachtetem passieren? Der Hund würde vom Schoß Courbets springen und seine Schwärze würde sich vom Schwarz der Kleidung seines Herrchens trennen. Für Simone Bingemer macht eben jener Aspekt die Faszination für das Portrait aus: „Genau aus der augenblicklichen Einheit, der Verschmelzung von Herr mit Hund entsteht diese gewisse Bewegung. Gerne folgte ich den beiden…“

Wir fragen uns natürlich wo diese spannende Reise hingehen würde? In die „Hauptstadt des 19. Jahrhunderts“ – Paris – oder doch ins wilde und von Courbet geliebte Franche-Comté, seine Heimat, in die er Zeit seines Lebens immer wieder kehrte?