TIERE

Tierporträts:

Geschöpfe mit Charakter

Wenn Konrad Lorenz recht hat, dann entspringt der Wunsch, ein Tier zu halten, einem uralten Grundmotiv – nämlich der Sehnsucht des Kulturmenschen nach dem verlorenen Paradies. Hand aufs Herz: Gäbe es einen tieferen und schöneren Grund, ein Tierportrait von seinem Hund, seiner Katze oder seinem Vogel anfertigen zu lassen?

Ein Bild von einem Tier

Für Simone Bingemer sind Tiere Persönlichkeiten aus einem anderen Universum. Aber eben Persönlichkeiten. Darum setzt sie sich mit tierischen Modellen kaum anders auseinander als mit Menschen. Auch und vor allem, wenn es sich bei ihren Tierportraits um Hunde handelt, die über ein verhältnismäßig großes Ausdrucksspektrum verfügen. Hunde hätten alle guten Eigenschaften des Menschen, ohne gleichzeitig dessen Fehler zu besitzen, heißt es. Die Tierportraits von Simone Bingemer lassen einen die Bedeutung dieses Bonmots erleben.

Diese Haltung ist in der Geschichte der Tiermalerei alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Lange ordnete man Tiere den vegetativen Gebilden wie Pflanzen oder Steinen zu, also der untersten Stufe der Seinspyramide, an deren Spitze Gott stand, während der Mensch im Mittelpunkt des Welttheaters agierte. Geschöpfe, die in dieser Hierarchie unterhalb von ihm angesiedelt waren, beurteilte man hauptsächlich nach ihrem Nutzen. Vor diesem Hintergrund war die Portraitkunst ausschließlich der Darstellung des Menschen vorbehalten.

Tiere haben Würde

Dass Simone Bingemer sich – ganz Porträtistin des 21. Jahrhunderts – davon abwendet, bedeutet jedoch keinesfalls, dass sie Gefahr liefe, Tiere in irgendeiner Weise zu vermenschlichen oder zu verniedlichen. In der Tradition der großen französischen Tiermalerin Rosa Bonheur betrachtet sie Tiere als Kreaturen für sich, die uns mit ihrer ganz eigenen Würde zur Seite stehen. So schafft Simone Bingemer Tierportraits von vibrierender Intensität, die ihren Menschenbildern in nichts nachstehen.